Neu aufbereitet:
Diesen Beitrag aus dem Jahr 2023 habe ich überarbeitet. Die Bilder wurden für schnellere Ladezeiten optimiert und neue hinzugefügt. Auch den Text habe ich überarbeitet. Viel Spaß beim (Neu-)Entdecken.
An einem milden Frühlingsmorgen Anfang Mai starteten wir zur Wanderung auf dem Balver Höhenweg im Sauerland.
Laut der Beschreibung im Internet erwartete uns ein rund 12 Kilometer langer Rundweg mit schönen Fernsichten, überwiegend auf Waldwegen.
Der Nachteil von Fernsichten ist ja, dass man meist erst einmal irgendwo hoch muss, bevor man sie genießen kann. In diesem Fall waren das auf den ersten zwei Kilometern gut 200 Höhenmeter.
Die Waldwege versprochenen Waldwege gibt es hier zunächst tatsächlich. Und zwar genau so, wie man sich solche vorstellt.

Durch einen schattigen Laubwald laufen wir stetig bergauf. Dieser erste Teil der Strecke ist etwas anstrengend, aber schön
Schließlich lichtet sich der Wald und wir erreichen den Höhenweg. Die Landschaft verändert sich.
Aus dem milden morgen ist inzwischen ein sehr warmer Vormittag geworden.
Und aus dem schattigen Wald überwiegend tote Bäume.

An dieser Stelle ein kurzer Blick kurzer Blick zurück ins Jahr 2007. Damals verursachte der Orkan „Kyrill“ schwere Schäden in Europa, mehr als 40 Menschen kamen ums Leben. In Deutschland waren auch die Höhenlagen des Sauerlandes stark betroffen. Auf den grünen Höhenzügen des Sauerlands wuchsen vor allem Fichten-Monokulturen, die einem solchen Sturm nicht standhalten konnten.
Anschließend wurde viel Arbeit und Geld investiert, um neuen Wald anzulegen. Dafür wurden Baumarten ausgewählt, die widerstandsfähiger sind, als die Fichten.
Allerdings wurden in den folgenden Jahren die Sommer trockener und schwere Stürme häufiger. Besonders die Jahre 2018 und 2019 waren extrem trocken. Viele der Neupflanzungen wurzelten noch nicht tief genug, um das absinkende Grundwasser zu erreichen. Dadurch kam es dann auch hier zu großen Ausfällen.

Auch für die verblieben Fichtenbestände wurde das fehlende Grundwasser zum Problem. Sie benötigen ausreichend Feuchtigkeit um Harz als Schutz gegen gegen Schädlinge zu produzieren. Fichten wurzeln aber nicht besonders tief, also fehlte ihnen Wasser. Die so geschwächten Bäume boten ein ideales Umfeld für Schädlinge, allen voran dem Borkenkäfer.
Große Flächen mussten in der Folge gerodet werden, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern.
So stehen wir auf dem Höhenweg nun also inmitten einer verwüsteten Landschaft und ich denke: „Da war mal Wald“

Vor den abgestorbenen Fichten und den Stapeln von Baumstämmen stehen noch vereinzelte Laubbäume, die gegen Trockenheit und Schädlinge deutlich widerstandsfähiger sind.
Und vielleicht stand auch der Hochsitz im folgenden Bild einmal an einer Waldlichtung.

Aktuell ist er nur Beiwerk zu den neu geschaffenen Fernsichten über das Sauerland.
Es wir noch Jahrzehnte dauern, bis hier wieder neuer Wald gewachsen ist.
Wir wenden uns mit Grausen ab und setzten unsere Wanderung fort. Am höchsten Punkt des Balver Höhenwegs, bei 544 Metern, steht eine Aussichtsplattform. Der sehr warme Vormittag wurde inzwischen von Mittagshitze abgelöst – und weit und breit kein schattiges Plätzchen.

Aber dafür ist die Aussicht von hier oben wirklich schön. Der Blick reicht weit ins Sauerland, und von den zerstörten Waldflächen ist zumindest auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen
Weiter Blick in die Landschaft – mit Erklärung dazu.

Vom höchsten Punkt des Weges geht es auf den Rückweg. Hier spenden kurze bewaldete Abschnitte etwas Schatten. Dazwischen gibt es weitere Fernsichten in die umgebende Landschaft und wo kein Wald ist, kann man im schatten der Totholzstapel der Sonne kurz entfliehen.

Ein guter Grund den Balver Höhenweg im Frühling zu gehen, ist der reichlich wachsende Ginter entlang dieses Abschnitts. Die Ginsterblüte beginnt im Mai und dauert bis Juni.
Überall leuchten die Ginsterblüten in kräftigem Gelb.

Ein schöner Kontrast zum blauen Himmel und unseren unbedeckten Armen – die leuchten inzwischen in kräftigem rot. Sonnenschutzmittel hatten wir zu Hause gelassen, dann reicht es länger. So waren wir froh, dass der letzte Teil des Weges dann wirklich wieder durch schattigen Wald führte.

Ach bei dieser Wanderung im Harz konnten wir die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur sehen —>













Hallo Richard, da habt ihr eine sehr schöne Tour gemacht. Das Wetter war ja auch super. Schade hat es nicht mehr so viel Wald. Das nächste mal einfach Sonnencreme mitnehmen. Sehr schöne Bilder.
Lieber Gruss Claudia
So warmes Wetter war ja nicht vorausgesagt und wir gingen davon aus, im Wald zu laufen…
Moin Richard. Ich sitze hier gerade beim Pott Kaffee, kucke nach draußen, die Nacht über gab’s wieder Schnee, der Himmel ist grau, und die Wettervorhersage prognostiziert, was wir hier im Norden als „banniges Schietwetter“ bezeichnen. Und du schreibst was von „drückender Hitze“ 😉
Nee, im Ernst, a) ein schöner Beitrag, und b) und „da war mal Wald“ kennen wir zu genüge aus dem Harz
https://meiersven.wordpress.com/2022/10/24/einmal-suden-und-zuruck-harz/
Wir sind so ein bis zweimal im Jahr im Harz (in Altenau) und wenn man über die Jahre die Fotos vergleicht, dann wird einem erst so richtig bewusst, wie der Wald gelitten hat. Besonders freuen wir uns dann, wenn man speziell im Nationalpark sieht, wie sich der Wald von einer Fichten-Monokultur zu einem Mischwald langsam wieder erholt. Bleibt nur zu hoffen, dass alles Neue, was sich da so einsamt und auch gepflanzt wird, den Klimawandel überseht.
Grüße von der Ostsee, wir lesen uns!
Im Harz sind die Folgen des Klimawandels viel stärker zu sehen, als im Sauerland. Das liegt natürlich auch daran, dass hier mehr Mischwälder zu finden sind, die halt etwas widerstandsfähiger sind.
Die anhaltend fehlenden Regenmengen und der der dadurch absinkende Grundwasserspiegel gefährden aber inzwischen auch alles, was da neu angelegt wurde.
Moin Richard,
ähnlich erschreckende Erfahrungen musste ich im letzten Oktober im Harz machen. Stellenweise ein erschreckender Anblick. Bleibt die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer wird.
Gruß
Matthias
Ein schöner Spaziergang und in der Tat sehr schöne Aussichten. Sehr schlimm, was durch den Orkan und die Käfer verursacht wurde. Zum Glück ist die Natur mächtig und eine Erholung kommt sowieso immer, in welcher Form auch .
Sehr schöne Fotos von einem interessanten Spaziergang, vielen Dank dafür. LG
Was für eine Interessante Erinnerung Tour… und vor allem Tolle Gegend.
Es ist schon traurig wen man sieht was gerade die letzte Jahre (Jahrzehnte) mit der Natur passiert. Die Wälder Sterben aus oder werden durch wahnsinnige „Angezündet“ und wir schauen nur zu und hoffen das es irgendwann besser sein wird.
Leider es wird nicht besser. So lange wir nicht überdenken… und vielleicht andere Baum Sorten Pflanzen, werden wir immer weniger Wald haben… für uns wird das vielleicht noch kein große Problem sein … aber was ist mit unsere Kinder oder Enkelkinder. Werden die noch ein Wald sehen können.
Tolle Tour!
VG czoczo
Aufnahmen, die nachdenklich stimmen. Schon beim Sauren Regen wusste man, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Doch Jahrzehnte verstrichen ungenutzt. Putin hat mit seinem Krieg mehr bewegt als alle Argumente zuvor. Eigentlich traurig.
Beim Umwelt- und Klimaschutz wird leider immer noch mehr geredet, als gehandelt.
Pingback: Nach Dem Borkenkäfer: Totholz-Landschaft Im Sauerland - Richards Fotowelt
Pingback: „(K)ein Wanderbericht…, da war mal Wald“/ „Richards Fotowelt“ – Brücke 13 LEIT-SÄTZE
Ich habe es bei mir angezeigt.
Just beautiful. Forest devastation is a part of nature, but it is still sad.
Hallo Richard
Auf deinen neusten Beitrag kann ich leider nicht kommentieren, warum auch immer.